Garden Style Sommer 2024

Um es ehrlich zu sagen: Wir waren lange Zeit Bedenkenträger. Etwa so, wie wenn man sich als Familie frühzeitig ein Kind wünscht, aber dann doch immer wieder ein Problem sieht und den endgültigen Entschluss ein paar Jahre vor sich her schiebt. Unsere Ausgangslage: Wir bewohnen vor allem an den Wochenenden ein Landhaus mit einem größeren Garten, aber ohne große Blumenbeete oder andere Anpflanzungen, die einen typischen Gartenenthusiasten auszeichnen. Unsere freie Zeit – die sich in unserem ländlichen Refugium meist auf die Wochenenden reduziert - nutzen wir vor allem für sportliche Aktivitäten, aber auch für gepflegtes Entspannen. Vor Besuchern entschuldigen wir gerne unser von Rasen dominiertes Grundstück mit „naturbelassen“. Aber: So ein Rasen muss eben auch gepflegt, vor allem gemäht werden. Am Freitag geht nichts mehr, da wir erst spät ankommen. Der liebe Nachbar würde sich sofort beschweren: „Ich halte ja auch die Zeiten ein.“ Kunststück, er ist Rentner. Samstag: Einkaufen, etwas Relaxen, vielleicht Golfen oder eine andere Freizeitaktivität. Da bleibt – um es im Managerdeutsch auszudrücken – kaum ein „Zeitfenster“ zum Mähen. Sonntag ist sowieso tabu. Regentage gibt es hierzulande auch. Und die scheinen Wochenenden zu lieben. Man wird unter solchen Umständen schnell zum menschlichen Speedrasenmäher – egal ob elektrisch oder mit Benzinmotor. Die Folge: Wir haben uns nach langem Zögern zum Kauf eines pflegeleichten Haus-Schafs – vulgo Rasenroboter – entschieden. Genaugenommen ähnelt er einer großen Maus ohne Ohren und Fell, dafür mit einem blanken Metallkleid. Mit im Paket waren Ladestation, Akku, Kabelverbindungen, Bedienteil... Wir lernten aus der Bedienungsanleitung, dass unser Haus-Schaf gar nicht so intelligent ist. Es benötigt nämlich ein Begrenzungskabel, das mit Metallstiften - auch Rasennägel genannt -in einem bestimmten Abstand zu Hindernissen oder Grundstücksgrenzen im Boden verlegt werden muss. Daran „schnüffelt“ es und weiß: hier geht es nicht weiter. Das Kabel muss um Bäume und so verlegt werden, dass der Roboter in die Ladestation fährt, um seinen Akku aufzuladen. Macht er alles automatisch. Übrigens sind die Begrenzungskabel schnell überwuchert. Besuchern, denen wir unser „Schaf“ vorführen, sind oft deshalb besonders fasziniert, weil sie glauben, es fände seinen Weg ohne fremde Hilfe. Unser Haus-Schaf „Robby“ Mähroboter in der praktischen Anwendung. Was man wissen sollte. Ein Erfahrungsbericht. Es ist nicht ganz so leicht, die Kabel optimal zu verlegen. Da haben wir lange herumexperimentiert. Als es dann klappte, wurde unser Robby spontan beklatscht. Springen kann er leider nicht. Deshalb besitzen wir jetzt einen zweiten Mähroboter für eine tiefer liegende Gartenfläche, die nur über eine Treppe zu erreichen ist. Diesmal haben wir das Begrenzungskabel von einem Fachgeschäft verlegen lassen, das dafür eine Maschine einsetzt. Das hat Vorteile: Es ist in kurzer Zeit erledigt und vermeidet auch kleine Fehler beim Verlegen, die zum Beispiel dazu führen, dass das Gerät nicht zielgenau den Weg in die Ladestation findet. Hinzu kommt, dass die Begrenzungskabel tiefer in der Erde verlegt werden, was die Gefahr von Beschädigungen minimiert. Selbstverständlich kann man die Betriebszeiten vorprogrammieren. Wir sind mit dem Mähen jetzt nicht mehr an bestimmte Zeiten gebunden. Auch sonntags ist das bei der geringen Lautstärke keine Problem. Selbst unser nerviger Nachbar schaut fasziniert über den Zaun und hat sich schon nach dem Preis erkundigt. „Und was machen Sie mit dem Grüngut ?“ fragte er mich und meinte damit den abgeschnittenen Rasen. „Das gibt es nicht“, konnte ich ihm antworten. Da blieb ihm buchstäblich die Spucke weg. Früher bin ich mit dem Rasenabfall zum Wertstoffhof gefahren. Rasenroboter mähen so exakt und so kleinteilig, dass das abgeschnittene Gras liegen bleiben kann. Sie arbeiten nach dem Mulchsystem. Das Schnittgut wird im Gerät zerkleinert und wieder auf dem Rasen verteilt. Es wirkt somit als Dünger. Kaum zu glauben: Die Roboter mähen so akkurat, dass kein auch noch so kleines Feld im Rasen „vergessen“ wird. Noch besser: Mit einer App kann der Roboter mit Smartphone oder Tablet gesteuert werden. Das funktioniert auch bequem vom Urlaub auf den Malediven oder von wo auch immer. Wenn nur die Katzen der Nachbarn nicht wären, müssen wir aus unserer persönlichen Situation hinzufügen. Noch erkennen die Geräte nicht die Hinterlassenschaften von Katzen oder anderen Tieren. Es gilt also der Satz: Nobody is perfect. Oder anders gesagt: Haus-Schafen wie Robby & Co. fehlt es am Geruchssinn. Es gibt also noch einiges zu tun für die Entwicklungsingenieure. ILLUSTRATION RASEN: NATURESTOCK/FOTOLIA; PAPIER: CHRISTOPHER HALL/FOTOLIA GARDENStyle 33

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